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<title>Magengeschwür beim Pferd</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Magengeschwür beim Pferd</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p>Das <b>Magengeschwür beim Pferd</b> (engl. <i>Equine Gastric Ulcer Syndrome</i>, EGUS) ist eine häufige Erkrankung des <a href="Magen" title="Magen">Magens</a> beim Pferd. Sie ist durch <a href="L%C3%A4sion" title="Läsion">Läsionen</a> (lat. laesio, Verletzung) der <a href="Magenschleimhaut" title="Magenschleimhaut">Magenschleimhaut</a> verschiedenen Schweregrades gekennzeichnet, die durch eine erhöhte <a href="Magens%C3%A4ure" class="mw-redirect" title="Magensäure">Magensäuresekretion</a> ausgelöst werden. Die Behandlung erfolgt durch <a href="Omeprazol" title="Omeprazol">Omeprazol</a>.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Vorkommen">Vorkommen</h2></div>
<p>Magengeschwüre kommen beim Pferd häufig vor. Studien belegen, dass bis zu 90&nbsp;% der Vollblutrennpferde, 60 bis 80&nbsp;% der Trabrennpferde, 60&nbsp;% der Turnierpferde und 37&nbsp;% der Freizeitpferde von Magengeschwüren betroffen sind. Auch die Hälfte der Saugfohlen leidet teilweise „still“ darunter.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Ursachen">Ursachen</h2></div>
<p>Im Magen des Pferdes wird kontinuierlich <a href="Magens%C3%A4ure" class="mw-redirect" title="Magensäure">Magensäure</a> gebildet, säurepuffernder Speichel wird jedoch nur während des Kauens produziert. Zwei Drittel der Magenwand sind mit Drüsen versehen, ein Drittel besteht aus empfindlicherer, drüsenfreier Schleimhaut. Zusammen mit <a href="Fetts%C3%A4uren" title="Fettsäuren">Fettsäuren</a> und aus dem Dünndarm in den Magen zurückfließenden <a href="Gallens%C3%A4uren" title="Gallensäuren">Gallensäuren</a> kann es zu einem Ungleichgewicht zwischen schleimhautschützenden und -schädigenden Faktoren im empfindlichen Pferdemagen kommen. Magenirritationen bis hin zu Magengeschwüren können die Folge sein. Treten Magenulzera im drüsenhaltigen Teil auf, funktionieren dort die mageneigenen Schutzmechanismen nicht richtig, treten sie im empfindlicheren drüsenfreien Teil auf, werden in erster Linie Stress und Medikamenteneinsatz dafür verantwortlich gemacht.
</p><p>Magengeschwüre sind ein multifaktorielles Geschehen, es wirken also mehrere Ursachen zusammen. Fütterungsfehler wie zu lange Fresspausen, zu geringe Raufuttergabe, (zu) hohe Kraftfuttermenge und schlechte Futterqualität begünstigen deren Entstehung. Nicht artgerechte Haltung, unruhige Gruppenhaltung, Unruhe beim Fressen sowie körperlicher und psychischer <a href="Stress" title="Stress">Stress</a> (z.&nbsp;B. nach dem Absetzen, durch Umstallung, Futterumstellung, Änderung der Haltungsbedingungen, Transport, Turniersituation) scheinen ebenfalls eine Rolle zu spielen. Bereits bei leichtem Training (z.&nbsp;B. im Galopp) kann ein erhöhter Druck im Magen entstehen. Schließlich können auch verschiedene Medikamente wie <a href="Nichtsteroidales_Antirheumatikum" title="Nichtsteroidales Antirheumatikum">nichtsteroidale Antiphlogistika</a> die Entstehung von Magengeschwüren verursachen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Symptome">Symptome</h2></div>
<p>Das Symptombild kann klinisch unspezifisch auftreten und wird oft nicht richtig interpretiert.
</p><p>Bei Fohlen sind wiederkehrende <a href="Kolik" title="Kolik">Koliken</a>, abgebrochenes Saufen, <a href="Hypersalivation" title="Hypersalivation">starker Speichelfluss</a>, <a href="Z%C3%A4hneknirschen" class="mw-redirect" title="Zähneknirschen">Zähneknirschen</a>, <a href="Durchfall" title="Durchfall">Durchfall</a>, <a href="Fieber" title="Fieber">Fieber</a>, struppiges, glanzloses Haarkleid, schlechter Entwicklungsstand, häufige Rückenlage mögliche Symptome.
</p><p>Erwachsene Pferde können wiederkehrende Koliken, Fressunlust, schlechtes/wählerisches Fressen (Auswahl bestimmter Futterbestandteile), Abbruch der Futteraufnahme, Niederlegen nach der Futteraufnahme, Zähneknirschen, Leerkauen, <a href="G%C3%A4hnen" title="Gähnen">Gähnen</a>, häufiges „<a href="Flehmen" title="Flehmen">Flehmen</a>“, „Aufstoßen“, Maulgeruch, <a href="Gewichtsabnahme" class="mw-redirect" title="Gewichtsabnahme">Gewichtsverlust</a>, Leistungsminderung und einen schlechten Allgemeinzustand zeigen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Diagnose">Diagnose</h2></div>
<p>Eine exakte Diagnose ist bislang nur über eine <a href="Gastroskopie" title="Gastroskopie">Gastroskopie</a> möglich. Es gibt keine sichere Laboruntersuchung oder biochemische Marker. Bei der Gastroskopie am stehenden, leicht sedierten Pferd auf nüchternen Magen sind die Auswirkungen in den Schweregraden sofort gut zu erkennen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Gradeinteilung_der_Läsionen_im_Bereich_der_drüsenlosen_(kutanen)_Schleimhaut"><span id="Gradeinteilung_der_L.C3.A4sionen_im_Bereich_der_dr.C3.BCsenlosen_.28kutanen.29_Schleimhaut"></span>Gradeinteilung der Läsionen im Bereich der drüsenlosen (kutanen) Schleimhaut</h2></div>
<ul><li>Grad 0: Intaktes <a href="Epithel" title="Epithel">Epithel</a>, keine Rötungen</li>
<li>Grad 1: Intakte <a href="Schleimhaut" title="Schleimhaut">Mukosa</a>, aber Bereiche mit <a href="Hyperkeratose" title="Hyperkeratose">Hyperkeratose</a></li>
<li>Grad 2: Kleine einzelne oder multifokale Läsionen</li>
<li>Grad 3: Große einzelne, multifokale oder ausgedehnte Ulzera-Herde, ausgedehnte oberflächliche Läsionen</li>
<li>Grad 4: Ausgebreitete Läsionen mit Arealen sehr tiefer Ulzerationen</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Läsionen_im_Bereich_der_drüsenhaltigen_Schleimhaut"><span id="L.C3.A4sionen_im_Bereich_der_dr.C3.BCsenhaltigen_Schleimhaut"></span>Läsionen im Bereich der drüsenhaltigen Schleimhaut</h2></div>
<p>Prinzipiell können alle Abschnitte der drüsenhaltigen Schleimhaut betroffen sein.
</p><p>Folgende Schleimhautveränderungen sind möglich
</p>
<ul><li>fokal (herdförmig), multifokal (viele Herde), diffus (verteilt)</li>
<li>gering, mittel- oder hochgradig</li>
<li>eben mit Blutungen, eben mit <a href="Fibrin" title="Fibrin">fibrinöser</a> <a href="Exsudat_(Medizin)" title="Exsudat (Medizin)">Exsudation</a></li>
<li>erhaben mit Blutungen, erhaben mit fibrinöser Exsudation</li>
<li>ulzeriert mit Blutgerinnseln, ulzeriert mit fibrinöser Exsudation</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Therapie">Therapie</h2></div>
<p>Magengeschwüre sind gut zu behandeln. Dabei gibt es zwei Vorgehensweisen: Die Gabe eines Medikaments zur Reduzierung der Ausschüttung der Magensäure und eine therapiebegleitende Gabe von Ergänzungsfuttermitteln.
</p><p><a href="Omeprazol" title="Omeprazol">Omeprazol</a> ist der medikamentöse Wirkstoff der Wahl, ein <a href="Protonenpumpenhemmer" title="Protonenpumpenhemmer">Protonenpumpenhemmer</a>, der die Bildung der Magensäure reduziert. Nur bei Omeprazol sind die ausreichende Wirksamkeit und die erforderliche Sicherheit für den Einsatz beim Pferd nachgewiesen, so dass unter der Therapie weiter gearbeitet werden kann. Es ist in einer speziellen Pastenformulierung (Handelsname <i>GastroGard</i>) für das Pferd zugelassen, die direkt ins Maul gegeben wird. In GastroGard wird der säureempfindliche Wirkstoff Omeprazol durch eine spezielle Formulierung gegen vorzeitige Aktivierung im sauren Milieu des Magens geschützt. Das Omeprazol wird im Dünndarm resorbiert, gelangt über den Blutkreislauf zu den Protonenpumpen und blockiert diese. Damit wird eine konstant hohe Wirkstoffkonzentration im Plasma erreicht.
</p><p>Das Diät-Ergänzungsfuttermittel <i>Equitop Pronutrin</i> hat sich therapiebegleitend und im Anschluss an eine Therapie bewährt. Es enthält einen patentierten <a href="Pektine" title="Pektine">Pektin</a>-<a href="Lecithin" class="mw-redirect" title="Lecithin">Lecithin</a>-<a href="Glycerin" title="Glycerin">Glycerin</a>-Komplex: Die Pektine wirken der Übersäuerung des Mageninhalts nach der Fütterung entgegen und hemmen den Rückfluss von Gallensäuren. Gleichzeitig stabilisieren Pektine den natürlichen Schleim, und das Lecithin verstärkt den dünnen Schutzfilm der drüsenfreien Magenschleimhaut-Zone.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Prophylaxe">Prophylaxe</h2></div>
<p>Stressreduktion, Optimierung von Fütterung und artgerechte Haltung. Bei unvermeidbarem Stress kann die Gabe von Omeprazol zur Vorbeugung hilfreich sein.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>B. W. Sykes et al.: <i>European College of Equine Internal Medicine Consensus Statement: Equine Gastric Ulcer Syndrome in adult horses</i>, <a href="Journal_of_Veterinary_Internal_Medicine" title="Journal of Veterinary Internal Medicine">J Vet Intern Med</a> (29) 2015</li>
<li>Vinzenz Gerber, Reto Straub: <i>Pferdekrankheiten: Innere Medizin</i>. Band 8075 von <i>Erkrankungen der Haustiere</i>. UTB, 2016, ISBN 9783825286125, S. 199f.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<ul><li><a rel="nofollow" class="external free" href="https://www.magengeschwuere-pferd.de">https://www.magengeschwuere-pferd.de</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">B. W. Sykes et al.: <i>European College of Equine Internal Medicine Consensus Statement: Equine Gastric Ulcer Syndrome in adult horses</i>, J Vet Intern Med (29) 2015</span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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